Wearables zur Zykluskontrolle (und vielleicht auch zur Verhütung?)

Das Thema hormonfreie Verhütung ist im Moment sehr populär. Viele Frauen würden gerne auf Hormone, wie z.B. in der Pille, verzichten. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Apps und Verhütungscomputer, die damit beworben werden, hormonfrei, „natürlich“ und überhaupt modern und zukunftsweisend zu sein. Schaut man auf die Details, so sind diese Anwendungen gar nicht für die Verhütung gedacht, sondern für das sogenannte Zyklusmonitoring (also für die Überwachung und Analyse des weiblichen Zyklus) und sollen für die Erfüllung eines Kinderwunsches genutzt werden. Explizit zur Verhütung sind nur wenige Tools gedacht und kaum eines ist auch tatsächlich dafür zertifiziert*.

Beschäftigt man sich damit, auf welche Art am zuverlässigsten ein solches Zyklusmonitoring geschieht, so sind es vor allem die Systeme, die auf der symptothermalen Methode basieren. In der symptothermalen Methode wird die am Morgen gemessene Körpertemperatur und der Zervixschleim (Zervix = Gebärmutterhals) beobachtet. Diese „altmodische“ Methode erscheint vielen Frauen kompliziert und fehleranfällig, so dass es inzwischen einige Firmen gibt, die eine Vereinfachung dieses Vorgangs versprechen, indem sie die Messung der Temperatur übernehmen.

Diese technische Hilfsmittel werden als Optimierungstools zur Verwirklichung eines Kinderwunsches dargestellt. Hier eine Übersicht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

OvulaRing (www.ovularing.com): Ein Sensor aus Kunststoff wird permanent in der Scheide getragen (außer während der Menstruation) und misst die Körpertemperatur. Mit Hilfe eines Lesegerätes werden die Temperaturdaten ausgewertet und auf eine webbasierte Auswertungssoftware übertragen. Damit wird ein Zyklusdiagramm mit Darstellung der fruchtbaren Tage erstellt. Auf der Homepage wirbt die Firma: „Einfach zur natürlichen Schwangerschaft“. Die Kosten variieren je nach Laufzeit bei einer Erstbestellung von 84,90 € bis 39,90  € pro Monat.

trackle (trackle.de): Ist ein Temperatursensor, der nur nachts in der Scheide getragen wird und die Körpertemperatur misst. Die Werte werden an trackle übermittelt, es findet dort eine Datenauswertung statt. Die Ergebnisse werden auf dem Handy dargestellt, weitere Selbstbeobachtungen können in das System eingepflegt werden. Zur Zeit läuft ein Crowdfunding, um das Projekt umzusetzen.

Ava (www.avawomen.com): Ist ein Armband, das nachts am Handgelenk getragen wird. Am Morgen werden die Messdaten mit Hilfe einer App ausgewertet. Es werden verschiedene Parameter, wie zum Beispiel Pulsfrequenz, Atemfrequenz, Schlafdauer und Durchblutung erfasst. Das Armband kostet 249 €.

Yono (www.yonolabs.com): Ein Ohrstöpsel, der ebenfalls in der Nacht getragen wird. Auch hier wird die Temperatur ermittelt, am Morgen wird der Ohrstöpsel in eine Basisstation gelegt, und die Daten werden ausgelesen. Eine App zeigt dann eine Auswertung mit Anzeige der fruchtbaren Tage. Yono kostet 130 $.

Tempdrop (www.tempdrop.xyz): Ist ein Sensor, der am Oberarm in der Nacht getragen wird. Es wird die Temperatur gemessen, außerdem wird die Bewegung in der Nacht erfasst, damit soll die Schlafqualität dargestellt werden. Die Daten werden aufs Smartphone übertragen, Tempdrop kann mit verschiedenen Apps zusammenarbeiten. Tempdrop kostet 120 $.

DuoFertility (www.duofertility.com): Ein Sensor, der mit einem Klebe-Pad an der Haut haftet und die Temperatur und die Bewegung erfasst. Die Daten werden von einer App ausgewertet, außerdem gibt es einen Beratungsservice (in Großbritannien). DuoFertility kostet je nach Laufzeit 85,99 £ bis 119,99 £ als Paketpreis mit Beratung und Zusatztools. Außerdem werden noch verschiedene Test-Kits für Zuhause vertrieben.

Außerdem gibt es noch Raiing (www.raiing.com), ein chinesisches Produkt zur Temperaturerfassung und Analyse des Zyklus.

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* Ergänzung: Vor einigen Wochen ist die App „Natural Cycles“ (www.naturalcycles.com/de) vom TÜV Süd als Verhütungsmittel zertifiziert worden. Diese Zertifizierung bezieht sich darauf, dass die App die Anforderungen der europäischen Medizinprodukterichtlinie erfüllt, eine Aussage über die Verhütungssicherheit gibt das Zertifikat nicht.
Hier ein Auszug aus der Gebrauchsanweisung: „Wie bei jedem Verhütungsmittel gibt es bei der Verwendung der App ein paar Dinge zu beachten. Sorge für korrekte Messungen, indem du gleich nach dem Aufwachen und noch vor dem Aufstehen mit einem zertifizierten Basalthermometer mit zwei Dezimalstellen deine Temperatur misst. Setze das Thermometer hierzu unter der Zunge an. Verzichte auf Messungen oder setze sie aus, wenn du dich krank fühlst, verkatert bist oder 2 Stunden länger oder kürzer als üblich geschlafen hast. Schütze dich an roten Tagen, um eine Schwangerschaft wirksam zu verhindern. Das Risiko einer Schwangerschaft ist an diesen Tagen wesentlich höher, da du mit großer Wahrscheinlichkeit fruchtbar bist. Du entscheidest natürlich selbst, wie du dich an roten Tagen schützt. Die relative Wirksamkeit hängt jedoch vom Pearl-Index der gewählten Methode ab. Hormonelle Verhütungsmittel wirken sich auf deine Körpertemperatur aus, dazu gehört auch die Pille danach. Falls du diese einmal einnimmst, verzichte unbedingt auf weitere Messungen, bis du in einem neuen Zyklus bist.“ Quelle: www.naturalcycles.com/de/science

Wie es sich hier mit der Usability verhält, muss Frau selbst entscheiden.

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