Die HPV-Impfung für Jungen

Seit Juni 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung auch für Jungen.

Schon lange ist bekannt, dass Humane Papilloma-Viren (HPV) sowohl Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, als auch einige andere Krebserkrankungen hervorrufen. So werden zum Beispiel auch ein Teil der Krebserkrankungen im Mund- und Rachenbereich, im Analbereich sowie bei Männern das Peniskarzinom durch HPV verursacht.

Man geht davon aus, dass HPV-Infektionen zu den am häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen gehören – nahezu jeder sexuell aktive Erwachsene kommt damit vermutlich in Kontakt. Meist handelt es sich hier um vorübergehende Infektionen, die nach 1-2 Jahren nicht mehr nachweisbar sind. Verbleibt das Virus jedoch im Körper, können Krebserkrankungen entstehen.

Wie bei den Mädchen wird die HPV-Impfung bei Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Nachholimpfungen können bis zum 18. Geburtstag durchgeführt werden. Die Immunisierung sollte vor dem ersten Sexualverkehr erfolgen.

Das Epidemiologische Bulletin des Robert Koch Institutes findet sich hier: www.rki.de/DE/Content/Infekt/Epi…

Eine reguläre Leistung der gesetzlichen Krankenkassen wird die Impfung erst, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) einen entsprechenden Beschluss gefasst hat. Dies wird vermutlich erst Anfang 2019 stattfinden. Es gibt aber einzelne Krankenkassen, die bereits heute die HPV-Impfung für Jungen erstatten, d.h. die Eltern zahlen zunächst die Impfkosten und können die Belege dann bei der Krankenkasse einreichen.

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Die Wassergeburt – was sind die Vor- und Nachteile?

Unter Wassergeburt versteht man, dass sich die schwangere Frau unter der Geburt in einem Wasserbecken oder einer Badewanne befindet. Es kann entweder nur die Endphase der Geburt, die sogenannte Austreibungsphase, im Wasser verbracht werden oder auch die Phase zuvor, die sogenannte Eröffnungsphase.

Im Mai 2018 ist eine Cochrane-Analyse (evidenzbasierte Übersichtsarbeit) zu diesem Thema erschienen: www.cochrane.org/CD000111/PREG_i…

Es wurden die Ergebnisse aus insgesamt 15 Studien zusammengefasst. Insgesamt kann man sagen, dass nichts gegen eine Wassergeburt spricht.
Die Sorge, dass ein erhöhtes Infektionsrisiko für Mutter oder Kind besteht, wurde nicht bestätigt. Die Autorinnen der Analyse vermuten, dass die Zahl der Frauen, die eine PDA (Periduralanästhesie = Art der Regionalanästhesie) unter der Geburt benötigen, sich reduziert. Es konnte allerdings nicht gezeigt werden, dass ein Dammriss durch eine Wassergeburt verhindert werden kann bzw. dass das Ausmaß eines Dammrisses durch eine Wassergeburt reduziert wird.

Die Qualität der Studien war sehr unterschiedlich. Zum Teil waren diese von geringer Aussagekraft, sodass die Autorinnen darauf hinweisen, dass weitere Untersuchungen zu diesem Thema notwendig sind.

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Ist die Pille böse? (Audio: auch zum Anhören)

   Klar, die Überschrift „Ist die Pille böse?“ ist provokant formuliert. Ich beobachte jedoch seit einigen Jahren, dass viele Frauen die Pille zunehmend kritisch sehen. Und auch in vielen Online-Artikeln werden die Risiken und Nebenwirkungen der Pille in den Mittelpunkt gestellt.

In meiner täglichen Arbeit sagen mir Frauen oft: „Ich will ganz natürlich verhüten“ oder: „Ich will auf jeden Fall ohne Hormone verhüten, die haben ja so viele Nebenwirkungen“.

Neu: Diesen Artikel können Sie jetzt auch anhören. Länge knapp neun Minuten.

Das gesamte Thema Verhütung ist komplex, und ich möchte hier ein paar Aspekte aufzeigen, die meiner Meinung nach jede Frau für sich bedenken sollte, wenn sie über ihre Verhütung nachdenkt.

Was sind Nebenwirkungen?

Unter Nebenwirkungen (oder auch „unerwünschte Arzneiwirkungen“) versteht man Wirkungen des Medikamentes, die nicht beabsichtigt waren und zusätzlich zur Hauptwirkung auftreten. Im Beipackzettel der Pille finden sich zahlreiche Nebenwirkungen. Einige dieser Nebenwirkungen waren bereits bei der Zulassung bekannt, jedoch relativ viele kommen im Laufe der Jahre dazu, da es für zugelassene Medikamente ein Meldeverfahren für Nebenwirkungen gibt. Ältere Medikamente haben daher mehr bekannte Nebenwirkungen als neue Präparate, mit denen noch nicht so viele Erfahrungen vorliegen. Der Beipackzettel enthält eine Aufzählung unerwünschter Wirkungen, die aufgetreten sind, während eine Frau die Pille eingenommen hat – die Kausalität ist dabei überwiegend nicht geklärt. So gibt es als Nebenwirkung sowohl die Gewichtszunahme (Macht die Pille dick?), als auch die Gewichtsabnahme.

Ein wichtiger Aspekt bei den Nebenwirkungen ist, dass man sich über die Bedeutung des angegebenen Risikos klar wird. Es ist immer besser, Risiken als sogenanntes absolutes Risiko zu formulieren, damit für die einzelne Frau ihr individuelles Risiko deutlich wird. So liegt zum Beispiel das Risiko für eine Thrombose bei einer Frau, die eine Mikropille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel nimmt, bei 5-7 auf 10.000. Im Vergleich dazu haben Frauen, die keine Pille nehmen und nicht schwanger sind, ein Thromboserisiko von 2 auf 10.000. (siehe auch Pille und Thromboserisiko).

Wie sicher sollte die Verhütung sein?

Wie schlimm wäre es, ungeplant schwanger zu werden? Ein Maß für die Sicherheit und Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode ist der Pearl-Index (nach dem Biologen Raymond Pearl). Der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 Frauen unter Verwendung einer Verhütungsmethode im Laufe eines Jahres schwanger werden. Die Zahlen sind zum Teil heiß diskutiert und man sollte immer beachten, ob es sich um die Angabe mit Anwendungsfehlern oder um die „perfekte Anwendung“ handelt. Hier die Zahlen von pro familia: www.profamilia.de/erwachsene/ver…

In der konkreten Beratungssituation bitte ich manchmal die Patientin, sich einfach mal vorstellen, wie es wäre, wenn ich nun in der Untersuchung mitteile: „Sie sind schwanger.“ Was löst das aus? Das pure Grauen, die reine Freude, oder irgendetwas dazwischen? Darüber sollte jede Frau sich ab und an Gedanken machen…

Was ist natürlich?

Heute gehört es zu den Idealen, dass alles ganz natürlich, gesund, ganzheitlich, rein, biologisch, authentisch, ehrlich und so weiter sein soll. Das sind alles Schlagworte, die selten mit wirklicher Bedeutung gefüllt werden. Was bedeutet „natürlich“ im Zusammenhang mit der Verhütung? Eigentlich ist es das Natürliche für eine erwachsene Frau, entweder schwanger zu sein oder gerade zu stillen… Das mit der Natur und der Verhütung sind also zwei Dinge, die sich schlecht miteinander vereinbaren lassen. Bei den Methoden der natürlichen Familienplanung wird durch die Beobachtung des Körpers (Temperatur und Zervixschleim) ermittelt, wann die fruchtbare Zeit ist. Das ist dann der „natürliche Weg“ der Verhütung. Sind dann alle anderen Methoden unnatürlich? Mit diesem Gedanken mag ich mich nicht so recht anfreunden…

Welche wirtschaftlichen Interessen stehen dahinter?

Damit meine ich sowohl die Interessen der Pharmaindustrie, als auch die von Herstellern von Wearables, Apps, E-Books & Co. zum Thema Verhütung. Zusätzlich zum ohnehin schon komplexen Thema Verhütung gibt es noch zahlreiche weitere Interessenträger. Letztlich wollen alle Geld mit dem Thema verdienen: Die Pillenhersteller mit einem möglichst hohen Umsatz von möglichst teuren Medikamenten, die Wearables-Hersteller mit dem Verkauf von tollen Gadgets. Auch die innovativen Apps und das passende E-Book oder das (Online-) Coaching sollen sich gut verkaufen. Wenn Werbung für diese Produkte gemacht wird, sollte jede Frau schauen, aus welcher Quelle die Informationen kommen und welches Interesse dahinter steht. Bei Wearables und Apps sollte außerdem stets der Datenschutz bedacht werden: Was wird alles erfasst? Und wo landen dann diese Daten?

Auch uns Frauenärzten wird manchmal unterstellt, wir wären ja nur Erfüllungsgehilfen der Pharmaindustrie. Das ist in meinen Augen Quatsch… (Übrigens: Unter wirtschaftlichen Aspekten bringt die Betreuung einer Schwangerschaft deutlich mehr ein, als eine Beratung zur Verhütung.) Mir ist schon klar, dass es sehr unterschiedliche Typen von Ärzten gibt und die Qualität der ärztlichen Beratung sehr verschieden ist. Jedoch bietet das deutsche Gesundheitssystem die Möglichkeit, sich bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt „um die Ecke“ eine sachkundige Beratung zu holen. Dieses Angebot sollten Mädchen und Frauen in jedem Fall wahrnehmen.

Übersicht über die verschiedenen Verhütungsmethoden: Hormonelle und nicht-hormonelle Verhütungsmethoden

 

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Toxic Shock Syndrom („Tamponkrankheit“)

Das Toxic Shock Syndrom (TSS) oder auch Toxisches Schocksyndrom ist ein Kreislauf- und Organversagen, das durch Bakterien-Toxine hervorgerufen wird. Ganz überwiegend stammen die Toxine von Staphylococcus aureus Bakterien, selten auch von Streptokokken des Typs A (sehr selten auch Typ C oder G).

Die Toxine bewirken über eine Ausschüttung von Zytokinen (Proteine, die zur Signalübertragung zwischen Zellen dienen) die folgenden Symptome: Fieber/Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Erbrechen und Durchfall, Blutdruckabfall/Schwindel, Muskelschmerz und Hautausschlag. Im Erkrankungsverlauf können sich Schäden an Leber und Nieren entwickeln, außerdem ist eine Schocksymptomatik bis hin zum Multiorganversagen möglich.

Grundsätzlich können sowohl Frauen als auch Männer aller Altersgruppen ein Toxic Shock Syndrom erleiden. Es findet sich jedoch eine Häufung bei jungen Frauen, die während ihrer Menstruation daran erkranken. In den 1970er Jahren wurde das Krankheitsbild zum ersten Mal beschrieben. Damals kamen extrem saugfähige Tampons auf den Markt, die verhältnismäßig lange in der Vagina verblieben. Durch die starke Saugfähigkeit der Tampons kann sich die Scheidenflora ändern, außerdem ist durch eine lange Liegezeit eine stärkere Vermehrung der Bakterien möglich

Zur Prophylaxe eines Toxic Shock Syndromes gibt es die folgenden Empfehlungen:

  • Tampons sollten möglichst nur in den ersten Tagen der Menstruation benutzt werden
  • Tampon sollten häufig ausgetauscht werden
  • Binden bzw. Vorlagen sollten ebenfalls verwendet werden, v.a. nachts
  • vor der Benutzung des Tampons die Hände waschen
  • Tampons aus Biobaumwolle reduzieren vermutlich das Risiko eines Toxic Shock Syndromes

Auch durch die Verwendung von Menstruations-Schwämmen kann ein Toxic Shock Syndrom ausgelöst werden. Ebenso bei Menstruationstassen und bei der Verwendung von Diaphragmen zur Verhütung gibt es Einzelfall-Berichte über das Auftreten eines Toxic Shock Syndromes.

Siehe auch: Was sind die Alternativen zu Tampons?

 

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Hebammen-Betreuung

Seit Jahren gibt es in Deutschland einen Hebammen-Mangel. Eigentlich hat jede Frau hat einen Anspruch auf Hebammenhilfe während der Schwangerschaft, unter der Geburt, im Wochenbett und bis zum Ende der Stillzeit.

Doch im richtigen Leben ist es oft sehr schwierig, eine Hebamme zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Hebammenleistungen, wie zum Beispiel der Hausbesuch im Wochenbett, werden schlecht bezahlt. Außerdem steigen die Versicherungskosten für Hebammen, die freiberuflich in der Geburtshilfe tätig sind (Beleg- oder Hausgeburtshebammen). Die Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen der Krankenhäuser sind oft geprägt von Personalmangel und Überlastung, sodass eine Hebamme nicht selten gleichzeitig mehrere Schwangere betreuen muss.

Der Hebammenverband Hamburg hat eine Hebammenliste veröffentlich: www.hebammen.info/hebammenliste-…
Für die kurzfristige Suche gibt es eine Liste über freie Kapazitäten: www.hebammen.info/freie-kapazita…

Und falls es mit der Hebammen-Suche nicht klappt, wäre es gut, den Mangel zu dokumentieren: www.unsere-hebammen.de/mitmachen…

Außerdem gibt es „Kinderheldin“: www.kinderheldin.de
Und „Call a midwife“: www.call-a-midwife.de
Beides sind Plattformen, die eine Telefon- und Online-Beratung durch Hebammen bieten. Diese Beratung ist kostenpflichtig und wird nicht von der gesetzlichen Krankenkasse gezahlt.

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Die Geburtenzahlen in Hamburg 2017

Im Jahr 2017 wurden in Hamburg bei 24.969 Geburten 25.529 Kinder geboren.

Die höchste Zahl der Geburten gab es dabei im Kath. Marienkrankenhaus, dort kamen 3.790 Kinder auf die Welt.

Danach folgen die weiteren Häuser: UKE 3.613, AK Altona 3.171, AK Barmbek 2.998, Albertinen-Krankenhaus 2.936, Krankenhaus Mariahilf 2.118, AK Nord Heidberg 1.782, Agaplesion Diakonieklinikum 1.539, Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus 1.486, AK Wandsbek 1.094, und das Bethesda Krankenhaus Bergedorf 830.

Im Geburtshaus wurden 172 Kinder geboren.

Die höchsten relativen Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr melden das AK Wandsbek, das Krankenhaus Mariahilf und das Bethesda Krankenhaus Bergedorf.

Quelle: Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, 08. Januar 2018
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Wie ist es mit der Fruchtbarkeit? AMH & Co…

Heute werden Frauen immer später Mutter. Die individuelle Lebensplanung sieht eine Schwangerschaft meist erst nach Abschluss einer Ausbildung und beruflichen Erfolgen vor. Außerdem gibt es zahllose weitere Einflussfaktoren, die dazu führen, dass sich Frauen eher spät für ein Kind entscheiden.

Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass ab 35 die Chancen, schwanger zu werden, deutlich schlechter werden. So ist es nicht selten, dass Frauen in die Sprechstunde kommen und nach ihrer Fruchtbarkeit fragen.
Zur Beurteilung der Fruchtbarkeit (Fertilität) gibt es verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten:

  • Anti-Müller-Hormon (AMH): Das Anti-Müller-Hormon ist ein Glykoprotein, das in den Eierstöcken von Zellen der kleinen Follikel (Eibläschen) produziert wird. Die Höhe des AMH lässt also einen Rückschluss auf die Anzahl der verbleibenden Eibläschen zu. Man spricht hier auch von der Eizellreserve bzw. dem Eizellpool. In jungen Jahren schwankt der Wert oft deutlich, mit circa 25 Jahren erreicht er dann meist ein Plateau, um danach allmählich zu sinken, bis er zu Beginn der Menopause (= Zeitpunkt der letzten Regelblutung) kaum noch messbar ist.
    Die Labore haben unterschiedliche Referenzwerte, ab denen dann von einer reduzierten Eizellreserve gesprochen wird. Es wird kontrovers diskutiert, wie gut tatsächlich die Aussagekraft des AMH-Wertes bezüglich der Möglichkeit, schwanger zu werden, ist. Abgesehen davon, dass der Wert schwankt, gibt es auch viele weitere Einflussfaktoren. So wird durch die Einnahme der Pille der AMH-Wert reduziert (und steigt nach Absetzen der Pille wieder an). Auch Rauchen, Übergewicht und ein PCO-Syndrom beeinflussen den AMH-Wert. Ebenso fällt in einer Schwangerschaft der AMH-Wert ab und steigt danach wieder an.
    Es gibt Studien, die zeigen, dass bei grundsätzlich fruchtbaren Frauen der AMH-Wert keinerlei Aussage über die tatsächliche Fertilität macht, siehe: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2828… und www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2904….
    Insgesamt kann man also sagen, dass der AMH-Wert eine Orientierung bieten kann, jedoch zusätzlich viele andere Faktoren berücksichtigt werden müssen.

    Inzwischen gibt es auch im Internet vermarktete Tests, die über die Bestimmung des AMH-Wertes eine Aussage über die Fruchtbarkeit treffen: www.ivary.io/de (Zitat Website: „ivary gibt dir den Einblick in das fruchtbare Zeitfenster deines Körpers“). Bei einigen Frauenärzten wird auch ein sogenannter „Ferti Check“ angeboten – meist eine Selbstzahlerleistung, über die man kritisch diskutieren kann.
     
  • Alter: Das Alter der Frau ist ein sehr wichtiger – vielleicht der wichtigste – Aspekt bei der Beurteilung der Fruchtbarkeit. Jede Frau wird mit einer begrenzten Zahl an Eizellen geboren. Im Laufe des Lebens reduziert sich die Zahl deutlich, außerdem verschlechtert sich die Qualität der einzelnen Eizelle: „ältere Eizellen“ weisen wesentlich mehr genetische Fehler auf. Die Reduktion der Fruchtbarkeit setzt mit Anfang 30 ein, mit 35 Jahren verschlechtern sich die Chancen deutlich. In Studien finden sich Daten, dass Frauen mit 41 Jahren durchschnittlich das Ende ihrer natürlichen Fruchtbarkeit erreichen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1958…).
    Den meisten Frauen wird dies gar nicht so bewusst sein, und natürlich gibt es hier eine große Spannweite, wann im individuellen Fall tatsächlich die Grenze der Fruchtbarkeit erreicht ist. In den Medien wird oft von Schwangerschaften älterer Frauen berichtet – allerdings wird in der Öffentlichkeit nicht kommuniziert, wie viel reproduktionsmedizinisches Können hier möglicherweise im Spiel war.
     
  • Follikelstimulierendes Hormon (FSH): Das FSH wird im Gehirn ausgeschüttet und bewirkt bei der Frau die Reifung von Eibläschen in den Eierstöcken. Bei zunehmenden Alter erhöhen sich die FSH-Werte, da die Eierstöcke einen stärkeren Reiz für die Eizell-Reifung benötigen. Der FSH-Wert verändert sich im Laufe des weiblichen Zyklus, sodass die Bestimmung stets zu Beginn des Zyklus, zwischen dem 2. und 5. Zyklustag, erfolgen sollte. In den einzelnen Zyklen kann der Wert deutlich schwanken, sodass mehrere Messungen in verschiedenen Zyklen gemacht werden sollten, um eine sichere Aussage zu erhalten.
     
  • Antraler Follicle Count (AFC): Beim AFC wird per Ultraschall die Anzahl der Follikel in den Eierstöcken bestimmt. Auch diese Untersuchung sollte zu Beginn des Zyklus durchgeführt werden. Allerdings ist sie sehr vom Untersuchenden und vom verwendeten Ultraschallgerät abhängig, sodass der AFC eine eher schlecht objektivierbare Untersuchungsmethode darstellt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die individuelle Fruchtbarkeit von vielen verschiedenen Aspekten beeinflusst wird, sodass eine einzelne, isolierte (Labor-)Untersuchung nie eine korrekte Aussage über den Einzelfall machen kann.

Den Frauen von heute wünsche ich, dass sie sich mit der Thematik frühzeitig auseinander setzen und für sich selbst und ihr Leben kluge Entscheidungen treffen.

 

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Levosert® – noch eine neue Hormonspirale?

Vor einigen Wochen hat die Firma Gedeon Richter die Hormonspirale Levosert® auf den deutschen Markt gebracht.
Diese Spirale enthält wie die Mirena® 52 mg Levonorgestrel und hat auch die gleiche Größe. Aktuell ist die Levosert® für eine Liegezeit von drei Jahren zugelassen, eine Zulassung für vier Jahre wird für 2018 erwartet. Für eine Zulassung über fünf Jahre laufen noch Studien.

Im Prinzip entspricht die Levosert® also der Mirena® – abgesehen davon, dass im Moment noch die Zulassung für die Liegedauer kürzer ist. Außerdem ist die Levosert® deutlich günstiger.

Siehe auch: Kyleena™ – eine neue Hormonspirale

Vor- und Nachteile von Hormonspiralen:

Die Vorteile: Die Hormonspirale bietet eine sehr zuverlässige Verhütung. Die Regelblutung wird schwächer, bei vielen Frauen bleibt die Blutung nach einiger Zeit ganz aus. An eine tägliche Einnahme, wie z.B. bei der Pille, muss nicht gedacht werden. Die Hormonapplikation erfolgt überwiegend lokal, der weibliche Zyklus wird meist nicht beeinflusst.

Die Nachteile: Es können Zwischenblutungen auftreten. Außerdem kann eine bestehende Akne verschlimmert werden. Selten sind Stimmungsschwankungen, Brustspannungen, Kopfschmerzen und Eierstockzysten. Die Einlage der Spirale kann schmerzhaft sein, und auch zur Entfernung benötigt man einen Arzt. Eine Spirale kann (selten) verrutschen, daher sollte die korrekte Lage der Spirale regelmäßig kontrolliert werden.

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Wie hoch ist das Risiko für eine Fehlgeburt?

Das ist eine Frage, die sich vermutlich jede schwangere Frau zu Beginn ihrer Schwangerschaft stellt. Sucht man online nach Daten, so finden sich ganz verschiedene Angaben, zum Teil liest man sogar von Risiken bis zu 70% – eine Zahl, die dann jede Schwangere erst einmal in Schrecken versetzt.

Bei diesen ganzen Angaben muss man zunächst unterscheiden, ob es sich um eine „biochemische Schwangerschaft“ oder um eine „klinische Schwangerschaft“ handelt. Der Begriff „biochemische Schwangerschaft“ meint, dass man im Urin und im Blut der Frau das Schwangerschaftshormon HCG (humanes Choriongonadotropin) nachweisen kann, aber noch kein Darstellung der Schwangerschaft im Ultraschall gelingt. Es handelt sich hier also um die ganz frühe Schwangerschaft, in der die befruchtete Eizelle sich teilt und Zellen sich differenzieren, um dann mit der HCG-Produktion zu beginnen. Die „klinische Schwangerschaft“ ist dementsprechend die weiter fortgeschrittene Schwangerschaft, die man im Ultraschall darstellen kann. Abhängig vom Alter der Schwangerschaft kann man zunächst die Fruchthöhle sehen, dann folgen die ersten embryonalen Strukturen. Ab etwa der 6. Schwangerschaftswoche (SSW), bei Berechnung nach der letzten Regel, ist die Darstellung einer Herzaktion möglich.

In der sehr frühen Schwangerschaft ist die Rate der Fehlgeburten deutlich höher als bei den weiter fortgeschrittenen Schwangerschaften. Für die „biochemischen Schwangerschaften“ finden sich Fehlgeburtsraten von etwa 50 %. Das heißt, die Fehlgeburt findet dann in der 3., 4. oder 5. SSW (Berechnung nach der letzten Regel) statt. In den Zeiten vor der Existenz von Schwangerschaftstesten wußten die betroffenen Frauen also gar nichts von einer Schwangerschaft und haben einfach eine Blutung, die sie für eine Menstruationsblutung gehalten haben, bekommen.

Bei den „klinischen Schwangerschaften“ sind die Fehlgeburts-Raten deutlich geringer. Es gibt in den Studien etwas unterschiedliche Angaben, aber auch hier ist das Schwangerschaftsalter entscheidend für die Häufigkeit einer Fehlgeburt.

Nach einer australischen Studie liegt das Risiko in der 7. SSW bei 9,4 %,
in der 8. SSW bei 4,2 %,
in der 9. SSW 1,5 %
und in der 10. SSW bei 0,5 %
.
(www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1831…)

Es gibt weitere Aspekte, die das Fehlgeburts-Risiko beeinflussen:

  • das mütterliche Alter zum Zeitpunkt der Empfängnis:
  • die Anzahl von vorausgegangenen Fehlgeburten:
    • nach einer Fehlgeburt ist das Risiko 14 – 21 %
    • nach 2 Fehlgeburten 24 – 29 %
    • nach 3 Fehlgeburten 31 – 33 %.
  • Störungen der Blutgerinnung
  • genetische Störungen
  • Fehlbildungen der Gebärmutter
  • Hormonstörungen
  • Störungen des Immunsystems
  • Umweltfaktoren, wie zum Beispiel vaginale Infektionen, Rauchen und die Einnahme bestimmter Medikamente

 

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Macht die Pille dick?

Vermutlich ist die subjektiv erlebte Gewichtszunahme einer der häufigsten Gründe, warum junge Frauen und Mädchen die Pille absetzen. In jedem Beipackzettel steht es, und jede Frau hat auch mindestens eine Freundin, bei der eine Zunahme des Körpergewichts eingetreten ist.

In 2014 ist eine Cochrane-Analyse (evidenzbasierte Übersichtsarbeit) erschienen, die sich dieses Themas annimmt: www.cochrane.org/CD003987/FERTIL…
In dieser Analyse wurden 49 Studien ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass hormonelle Verhütungsmittel keine oder nur eine ganz geringe Auswirkung auf das Körpergewicht haben.

Viele junge Frauen benötigen erstmals Verhütung zu einer Zeit, in der ihr Körper sich ohnehin in Veränderung befindet. Die Körperform ändert sich und es entwickeln sich die typischen weiblichen Merkmale: Oberschenkel-, Po- und Brustumfang nehmen zu. Es kommt also auch so zu einer Zunahme von Fettgewebe (ca. 1 kg pro Jahr), auch ohne die Einnahme einer hormonellen Verhütung.

Auch wenn die Studienlage keine wesentliche Gewichtszunahme durch die Einnahme der Pille zeigt, so kann dies im Einzelfall sicherlich auftreten. Durch die Hormone kann es zu vermehrten Wassereinlagerungen kommen, ebenso ist eine Steigerung des Appetits möglich. In solchen Fällen sollte im Rahmen einer ärztlichen Beratung eine praktikable Alternative, die eine sichere Verhütung bietet, gesucht werden.

Hier eine Übersicht über die verschiedenen Verhütungsmethoden: Hormonelle und nicht-hormonelle Verhütungsmethoden.

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