Was ist die Lungenreife-Behandlung?

Eine Lungenreife-Behandlung (RDS-Prophylaxe) wird einer Schwangeren gegeben, wenn eine Frühgeburt zwischen der Schwangerschaftswoche (SSW) 23+0 und 34+0 droht.

Dabei wird Kortison intramuskulär gegeben (meist Betamethason 12 mg, 2 Mal im Abstand von 24 Stunden, alternativ ist Dexamethason 6 mg, 4 Mal im Abstand von 12 Stunden möglich). Durch die Gabe des Kortisons wird die Reifung der Lunge beim Kind beschleunigt. Dadurch verbessert sich die Lungenfunktion, die sonst bei einem zu früh geborenen Kind häufig noch nicht ausreichend gegeben ist. Das Frühchen hat dann eine bessere Überlebenschance. Außerdem weiß man, dass sich die Rate an Hirnblutungen bei den Kindern reduziert und auch eine schwerwiegende Darmfunktionsstörung, die nekrotisierende Enterokolitis (NEC), seltener auftritt.

Eine Lungenreife-Behandlung vor der 22+0 SSW macht keinen Sinn, da in diesem Schwangerschaftsalter die Lungenzellen noch nicht ausreichend weit entwickelt sind. Sie sind daher nicht in der Lage, auf die Kortison Applikation entsprechend zu reagieren. Für die Applikation nach 34+0 SSW (bis 36+6 SSW) gibt es keine ausreichenden Daten, die einen Nutzen für das Kind zeigen.

Wird einmalig eine Lungenreife-Behandlung gegeben, so führt dies vermutlich nicht zu negativen Langzeitfolgen für das Kind. Hierzu gibt es zahlreiche Studien – auch wenn man online manchmal anderes liest. In 2017 wurde dazu ein Cochrane Review (eine evidenzbasierte Übersichtsarbeit) veröffentlicht: www.cochrane.org/de/CD004454/ant…

Es wird allerdings kritisch diskutiert, inwieweit eine mehrfache Lungenreife-Behandlung Schäden verursachen kann. Es gibt Studien, die zeigen, dass mit der Zahl der Wiederholungen der Kortison-Gabe das Risiko für kindliche Komplikationen ansteigt.

Wichtig ist daher ein gutes Timing für die Gabe des Kortisons: das Kind hat einen Vorteil durch die Lungenreife-Behandlung, wenn die Geburt zwischen 24 Stunden und weniger als 7 Tagen nach der Therapie erfolgt. Deshalb sollte die Lungenreife-Behandlung nur bei tatsächlich bestehenden akuten Frühgeburtbestrebungen erfolgen. Eine Gabe „zur Sicherheit“ verbietet sich und setzt das Kind unnötigen Risiken aus.

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Was tun bei zu starker Regelblutung?

Wenn die Regelblutung als zu stark empfunden wird, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Schulmedizinisch kommen medikamentöse, hormonelle und operative Therapien in Betracht, naturheilkundlich gibt es verschiedene Heilpflanzen, die die Blutungsstärke reduzieren können.

Eine konkrete Therapie setzt allerdings immer eine sorgfältige gynäkologische Diagnostik voraus, da zunächst Erkrankungen, wie Endometriose, oder Veränderungen, zum Beispiel Myome, ausgeschlossen werden müssen.

Grundsätzlich muss man sagen, dass ein „zu stark“ bei der Regelblutung sehr subjektiv ist und letztlich nur der individuelle Leidensdruck der einzelnen Frau darüber entscheidet, ob überhaupt eine Behandlung notwendig ist.

Hier eine Übersicht über verschiedenen Möglichkeiten bei zu starker Menstruation. Diese Liste erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und – wichtiger Hinweis – ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung und Untersuchung:

Hormonelle Therapien

  • Die Hormonspirale: damit wird die Stärke der Menstruationsblutung reduziert, die unterschiedlichen Modelle beinhalten verschiedene Dosen des Hormons (Gestagen), auf Dauer kann die Regelblutung auch ganz ausbleiben.
  • Die Minipille: eine Pille nur mit Gestagen, wird dauerhaft genommen und es sollte gar keine Regelblutung mehr auftreten. Ebenfalls zur rein gestagenhaltigen Verhütung gehören die Dreimonats-Spritze und das Hormonimplantat.
  • Die Mikropille: also Gestagen + Östrogen, das sind die Pillen, die man meist 3 Wochen lang nimmt und dann eine Pause von einer Woche macht. Die Regelblutung in der Pause ist meist deutlich schwächer. In diese Abteilung gehören auch das Verhütungs-Pflaster und der Vaginalring.

Medikament

  • Tranexamsäure: Dadurch wird die Blutgerinnung beeinflusst („Antifibrinolytika“) und die Stärke der Regelblutung reduziert sich. Dieses Medikament wird zum Beispiel auch eingesetzt bei Nasenbluten oder bei Operationen, die ein vermehrtes Blutungsrisiko aufweisen.

Operation

  • Endometrium-Ablation: Operative Verödung der Gebärmutter-Schleimhaut, also Verödung des Gewebes, das die Blutung verursacht. Die Stärke der Monatsblutung reduziert sich meist sehr deutlich bzw. die Blutung bleibt ganz weg.
  • Entfernung der Gebärmutter: die radikale Lösung, die heute eher selten gewählt wird. Meist wird heute so operiert, dass der Gebärmutterhals erhalten bleibt, weil das wichtig für den Halt im Beckenboden ist. Bei Erhalt des Gebärmutterhalses kann es weiter eine schwache Regelblutung geben.

Naturheilkunde / Phytotherapie

  • Hirtentäschelkraut (Bursae pastoris herba)
  • Mönchspfeffer / Keuschlamm (Agnus castus)
  • Schafgarbenkraut / -blüten (Millefolii herba / -flos)
  • Gänsefingerkraut (Potentiellae anserinae herba)

Diese Heilkräuter gilt es zum Teil in Fertigarzneimitteln, wie Tabletten, Tropfen, Kapseln und Dragees. Außerdem kann man damit schöne Teemischungen zusammenstellen, die eine gute Unterstützung geben können.

Zu Bedenken ist zudem, dass eine starke Regelblutung einen Eisenmangel hervorrufen kann. Dieser kann durch Eisenpräparate behandelt werden, außerdem sollte auf eine eisenreiche Ernährung mit pflanzlichen Eisenquellen, wie zum Beispiel Hirse, Kürbiskerne, Leinsamen und Amaranth geachtet werden.

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Die Geburtenzahl in Hamburg 2018

Im Jahr 2018 wurden in Hamburg bei 25.077 Geburten 25.576 Kinder geboren.

Die höchste Zahl der Geburten gab es dabei wieder im Kath. Marienkrankenhaus, dort kamen 3.565 Kinder auf die Welt.

Danach folgen die weiteren Häuser: UKE 3.424, AK Altona 3.398, AK Barmbek 3.281, Albertinen-Krankenhaus 3.128, Krankenhaus Mariahilf 2.081, AK Nord Heidberg 1.765, Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus 1.486, Agaplesion Diakonieklinikum 1.448, AK Wandsbek 1.030, und das Bethesda Krankenhaus Bergedorf 814.

Im Geburtshaus wurden 156 Kinder geboren.

Quelle: Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, 10. Januar 2019
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Die Pille absetzen

Es gibt zwei Arten von Pillen: die Mikropille und die Minipille. Die Mikropille wird meist drei Wochen lang genommen, dann folgt eine einwöchige Pause, in der die Regelblutung kommt. Die Minipille wird ohne Pause eingenommen.

Die Mikropille kann entweder abgesetzt werden, indem einfach nach der Pause aufhört wird, sie zu nehmen, oder man kann auch mitten in der Packung aufhören, dann tritt nach einigen Tagen meist eine (Abbruch-)Blutung auf. Zum Teil liest man online, es sei ganz wichtig, die Mikropillen-Packung zu Ende zu nehmen, da „sonst der Zyklus durcheinander käme“. Das stimmt nicht, der „Zyklus“ unter der Pille ist gänzlich von den Pillenhormonen gesteuert und hat nichts mit dem natürlichen Zyklus einer Frau zu tun. Bei der Minipille kann jederzeit mit der Einnahme aufgehört werden. Auch hier kommt es oft zu einer (Abbruch-)Blutung ein paar Tage später.

Nach Absetzen der Pille benötigt der Körper etwas Zeit, um wieder auf „Eigenregie“ umzuschalten. Viele Frauen haben bereits einige Wochen nach dem Absetzen der Pille wieder ihre Regelblutung, bei anderen dauert es etwas länger. Abhängig ist dies davon, wie gut die körpereigenen hormonellen Vorgänge wieder ihren Lauf finden. Es ist stets hilfreich, sich daran zu erinnern, wie der Zyklus vor Beginn der Pillen-Einnahme war. Hatte eine Frau bereits zu dieser Zeit Probleme mit dem Zyklus, wurde eventuell sogar mit der Pille aufgrund dieser Probleme begonnen, dann kann es sehr gut sein, dass diese Dinge nun wieder in Erscheinung treten. Ein wichtiger Aspekte ist außerdem, in welchem Alter die Pille abgesetzt wird. Siehe dazu auch den Artikel: Wie ist es mit der Fruchtbarkeit?

Wurde die Pille aufgrund eines Kinderwunsches abgesetzt, kann auch schon recht schnell eine Schwangerschaft eintreten (Schöner Satz neulich in meiner Sprechstunde: „Eigentlich hatte ich es doch noch nicht so ernst gemeint…“) Generell gibt man jedem Paar mit Kinderwunsch etwa ein Jahr Zeit, und es wäre auch schön, sich diese Zeit zu nehmen.

Besteht kein Kinderwunsch, sollte bereits vor dem Absetzen der Pille im Detail und gut informiert klar sein, wie danach verhütet wird!

Hier eine Übersicht der verschiedenen Verhütungsmethoden, der Artikel zum Thema hormonfreie Verhütung und der Artikel zu den Wearables zur Zykluskontrolle.

Viele Frauen beschreiben positive Aspekte durch das Absetzen der Pille:

  • mehr Wohlbefinden, besseres Sich-selbst-Spüren („ein neues Lebensgefühl“),
  • weniger depressive Verstimmungen bzw. Stimmungsschwankungen,
  • Verschwinden anderer Nebenwirkungen, die der Pille zugeschrieben werden, wie z.B. Scheidentrockenheit, Scheideninfektionen, Kopfschmerzen,
  • mehr sexuelles Interesse,
  • schnellerer Eintritt einer Schwangerschaft bei Kinderwunsch.

Ganz unterschiedlich sind die Erfahrungen in Sachen Körpergewicht: einige Frauen sagen, sie hätten durch das Absetzen der Pille abgenommen, andere, sie hätten zugenommen. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, siehe auch mein Artikel: Macht die Pille dick?

Durch das Absetzen der Pille können sich zunächst auch einige negative Aspekte ergeben:

Bei vielen Frauen bessern sich diese Beschwerden nach einer Weile, bei längerem Bestehen sollte man Rücksprache mit der Frauenärztin halten.

 

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Die HPV-Impfung für Jungen

Seit Juni 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung auch für Jungen.

Schon lange ist bekannt, dass Humane Papilloma-Viren (HPV) sowohl Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, als auch einige andere Krebserkrankungen hervorrufen. So werden zum Beispiel auch ein Teil der Krebserkrankungen im Mund- und Rachenbereich, im Analbereich sowie bei Männern das Peniskarzinom durch HPV verursacht.

Man geht davon aus, dass HPV-Infektionen zu den am häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen gehören – nahezu jeder sexuell aktive Erwachsene kommt damit vermutlich in Kontakt. Meist handelt es sich hier um vorübergehende Infektionen, die nach 1-2 Jahren nicht mehr nachweisbar sind. Verbleibt das Virus jedoch im Körper, können Krebserkrankungen entstehen.

Wie bei den Mädchen wird die HPV-Impfung bei Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Nachholimpfungen können bis zum 18. Geburtstag durchgeführt werden. Die Immunisierung sollte vor dem ersten Sexualverkehr erfolgen.

Das Epidemiologische Bulletin des Robert Koch Institutes findet sich hier: www.rki.de/DE/Content/Infekt/Epi…

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Die Wassergeburt – was sind die Vor- und Nachteile?

Unter Wassergeburt versteht man, dass sich die schwangere Frau unter der Geburt in einem Wasserbecken oder einer Badewanne befindet. Es kann entweder nur die Endphase der Geburt, die sogenannte Austreibungsphase, im Wasser verbracht werden oder auch die Phase zuvor, die sogenannte Eröffnungsphase.

Im Mai 2018 ist eine Cochrane-Analyse (evidenzbasierte Übersichtsarbeit) zu diesem Thema erschienen: www.cochrane.org/CD000111/PREG_i…

Es wurden die Ergebnisse aus insgesamt 15 Studien zusammengefasst. Insgesamt kann man sagen, dass nichts gegen eine Wassergeburt spricht.
Die Sorge, dass ein erhöhtes Infektionsrisiko für Mutter oder Kind besteht, wurde nicht bestätigt. Die Autorinnen der Analyse vermuten, dass die Zahl der Frauen, die eine PDA (Periduralanästhesie = Art der Regionalanästhesie) unter der Geburt benötigen, sich reduziert. Es konnte allerdings nicht gezeigt werden, dass ein Dammriss durch eine Wassergeburt verhindert werden kann bzw. dass das Ausmaß eines Dammrisses durch eine Wassergeburt reduziert wird.

Die Qualität der Studien war sehr unterschiedlich. Zum Teil waren diese von geringer Aussagekraft, sodass die Autorinnen darauf hinweisen, dass weitere Untersuchungen zu diesem Thema notwendig sind.

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Ist die Pille böse? (Audio: auch zum Anhören)

   Klar, die Überschrift „Ist die Pille böse?“ ist provokant formuliert. Ich beobachte jedoch seit einigen Jahren, dass viele Frauen die Pille zunehmend kritisch sehen. Und auch in vielen Online-Artikeln werden die Risiken und Nebenwirkungen der Pille in den Mittelpunkt gestellt.

In meiner täglichen Arbeit sagen mir Frauen oft: „Ich will ganz natürlich verhüten“ oder: „Ich will auf jeden Fall ohne Hormone verhüten, die haben ja so viele Nebenwirkungen“.

Neu: Diesen Artikel können Sie jetzt auch anhören. Länge knapp neun Minuten.

Das gesamte Thema Verhütung ist komplex, und ich möchte hier ein paar Aspekte aufzeigen, die meiner Meinung nach jede Frau für sich bedenken sollte, wenn sie über ihre Verhütung nachdenkt.

Was sind Nebenwirkungen?

Unter Nebenwirkungen (oder auch „unerwünschte Arzneiwirkungen“) versteht man Wirkungen des Medikamentes, die nicht beabsichtigt waren und zusätzlich zur Hauptwirkung auftreten. Im Beipackzettel der Pille finden sich zahlreiche Nebenwirkungen. Einige dieser Nebenwirkungen waren bereits bei der Zulassung bekannt, jedoch relativ viele kommen im Laufe der Jahre dazu, da es für zugelassene Medikamente ein Meldeverfahren für Nebenwirkungen gibt. Ältere Medikamente haben daher mehr bekannte Nebenwirkungen als neue Präparate, mit denen noch nicht so viele Erfahrungen vorliegen. Der Beipackzettel enthält eine Aufzählung unerwünschter Wirkungen, die aufgetreten sind, während eine Frau die Pille eingenommen hat – die Kausalität ist dabei überwiegend nicht geklärt. So gibt es als Nebenwirkung sowohl die Gewichtszunahme (Macht die Pille dick?), als auch die Gewichtsabnahme.

Ein wichtiger Aspekt bei den Nebenwirkungen ist, dass man sich über die Bedeutung des angegebenen Risikos klar wird. Es ist immer besser, Risiken als sogenanntes absolutes Risiko zu formulieren, damit für die einzelne Frau ihr individuelles Risiko deutlich wird. So liegt zum Beispiel das Risiko für eine Thrombose bei einer Frau, die eine Mikropille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel nimmt, bei 5-7 auf 10.000. Im Vergleich dazu haben Frauen, die keine Pille nehmen und nicht schwanger sind, ein Thromboserisiko von 2 auf 10.000. (siehe auch Pille und Thromboserisiko).

Wie sicher sollte die Verhütung sein?

Wie schlimm wäre es, ungeplant schwanger zu werden? Ein Maß für die Sicherheit und Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode ist der Pearl-Index (nach dem Biologen Raymond Pearl). Der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 Frauen unter Verwendung einer Verhütungsmethode im Laufe eines Jahres schwanger werden. Die Zahlen sind zum Teil heiß diskutiert und man sollte immer beachten, ob es sich um die Angabe mit Anwendungsfehlern oder um die „perfekte Anwendung“ handelt. Hier die Zahlen von pro familia: www.profamilia.de/erwachsene/ver…

In der konkreten Beratungssituation bitte ich manchmal die Patientin, sich einfach mal vorstellen, wie es wäre, wenn ich nun in der Untersuchung mitteile: „Sie sind schwanger.“ Was löst das aus? Das pure Grauen, die reine Freude, oder irgendetwas dazwischen? Darüber sollte jede Frau sich ab und an Gedanken machen…

Was ist natürlich?

Heute gehört es zu den Idealen, dass alles ganz natürlich, gesund, ganzheitlich, rein, biologisch, authentisch, ehrlich und so weiter sein soll. Das sind alles Schlagworte, die selten mit wirklicher Bedeutung gefüllt werden. Was bedeutet „natürlich“ im Zusammenhang mit der Verhütung? Eigentlich ist es das Natürliche für eine erwachsene Frau, entweder schwanger zu sein oder gerade zu stillen… Das mit der Natur und der Verhütung sind also zwei Dinge, die sich schlecht miteinander vereinbaren lassen. Bei den Methoden der natürlichen Familienplanung wird durch die Beobachtung des Körpers (Temperatur und Zervixschleim) ermittelt, wann die fruchtbare Zeit ist. Das ist dann der „natürliche Weg“ der Verhütung. Sind dann alle anderen Methoden unnatürlich? Mit diesem Gedanken mag ich mich nicht so recht anfreunden…

Welche wirtschaftlichen Interessen stehen dahinter?

Damit meine ich sowohl die Interessen der Pharmaindustrie, als auch die von Herstellern von Wearables, Apps, E-Books & Co. zum Thema Verhütung. Zusätzlich zum ohnehin schon komplexen Thema Verhütung gibt es noch zahlreiche weitere Interessenträger. Letztlich wollen alle Geld mit dem Thema verdienen: Die Pillenhersteller mit einem möglichst hohen Umsatz von möglichst teuren Medikamenten, die Wearables-Hersteller mit dem Verkauf von tollen Gadgets. Auch die innovativen Apps und das passende E-Book oder das (Online-) Coaching sollen sich gut verkaufen. Wenn Werbung für diese Produkte gemacht wird, sollte jede Frau schauen, aus welcher Quelle die Informationen kommen und welches Interesse dahinter steht. Bei Wearables und Apps sollte außerdem stets der Datenschutz bedacht werden: Was wird alles erfasst? Und wo landen dann diese Daten?

Auch uns Frauenärzten wird manchmal unterstellt, wir wären ja nur Erfüllungsgehilfen der Pharmaindustrie. Das ist in meinen Augen Quatsch… (Übrigens: Unter wirtschaftlichen Aspekten bringt die Betreuung einer Schwangerschaft deutlich mehr ein, als eine Beratung zur Verhütung.) Mir ist schon klar, dass es sehr unterschiedliche Typen von Ärzten gibt und die Qualität der ärztlichen Beratung sehr verschieden ist. Jedoch bietet das deutsche Gesundheitssystem die Möglichkeit, sich bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt „um die Ecke“ eine sachkundige Beratung zu holen. Dieses Angebot sollten Mädchen und Frauen in jedem Fall wahrnehmen.

Übersicht über die verschiedenen Verhütungsmethoden: Hormonelle und nicht-hormonelle Verhütungsmethoden

 

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Was ist das Toxic Shock Syndrom („Tamponkrankheit“)?

Das Toxic Shock Syndrom (TSS) oder auch Toxisches Schocksyndrom ist ein Kreislauf- und Organversagen, das durch Bakterien-Toxine hervorgerufen wird. Ganz überwiegend stammen die Toxine von Staphylococcus aureus Bakterien, selten auch von Streptokokken des Typs A (sehr selten auch Typ C oder G).

Die Toxine bewirken über eine Ausschüttung von Zytokinen (Proteine, die zur Signalübertragung zwischen Zellen dienen) die folgenden Symptome: Fieber/Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Erbrechen und Durchfall, Blutdruckabfall/Schwindel, Muskelschmerz und Hautausschlag. Im Erkrankungsverlauf können sich Schäden an Leber und Nieren entwickeln, außerdem ist eine Schocksymptomatik bis hin zum Multiorganversagen möglich.

Grundsätzlich können sowohl Frauen als auch Männer aller Altersgruppen ein Toxic Shock Syndrom erleiden. Es findet sich jedoch eine Häufung bei jungen Frauen, die während ihrer Menstruation daran erkranken. In den 1970er Jahren wurde das Krankheitsbild zum ersten Mal beschrieben. Damals kamen extrem saugfähige Tampons auf den Markt, die verhältnismäßig lange in der Vagina verblieben. Durch die starke Saugfähigkeit der Tampons kann sich die Scheidenflora ändern, außerdem ist durch eine lange Liegezeit eine stärkere Vermehrung der Bakterien möglich

Zur Prophylaxe eines Toxic Shock Syndromes gibt es die folgenden Empfehlungen:

  • Tampons sollten möglichst nur in den ersten Tagen der Menstruation benutzt werden
  • Tampon sollten häufig ausgetauscht werden
  • Binden bzw. Vorlagen sollten ebenfalls verwendet werden, v.a. nachts
  • vor der Benutzung des Tampons die Hände waschen
  • Tampons aus Biobaumwolle reduzieren vermutlich das Risiko eines Toxic Shock Syndromes

Auch durch die Verwendung von Menstruations-Schwämmen kann ein Toxic Shock Syndrom ausgelöst werden. Ebenso bei Menstruationstassen und bei der Verwendung von Diaphragmen zur Verhütung gibt es Einzelfall-Berichte über das Auftreten eines Toxic Shock Syndromes.

Siehe auch: Was sind die Alternativen zu Tampons?

 

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Hebammen-Betreuung

Seit Jahren gibt es in Deutschland einen Hebammen-Mangel. Eigentlich hat jede Frau hat einen Anspruch auf Hebammenhilfe während der Schwangerschaft, unter der Geburt, im Wochenbett und bis zum Ende der Stillzeit.

Doch im richtigen Leben ist es oft sehr schwierig, eine Hebamme zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Hebammenleistungen, wie zum Beispiel der Hausbesuch im Wochenbett, werden schlecht bezahlt. Außerdem steigen die Versicherungskosten für Hebammen, die freiberuflich in der Geburtshilfe tätig sind (Beleg- oder Hausgeburtshebammen). Die Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen der Krankenhäuser sind oft geprägt von Personalmangel und Überlastung, sodass eine Hebamme nicht selten gleichzeitig mehrere Schwangere betreuen muss.

Der Hebammenverband Hamburg hat eine Hebammenliste veröffentlich: www.hebammen.info/hebammenliste-…
Für die kurzfristige Suche gibt es eine Liste über freie Kapazitäten: www.hebammen.info/freie-kapazita…

Und falls es mit der Hebammen-Suche nicht klappt, wäre es gut, den Mangel zu dokumentieren: www.unsere-hebammen.de/mitmachen…

Außerdem gibt es „Kinderheldin“: www.kinderheldin.de
Und „Call a midwife“: www.call-a-midwife.de
Beides sind Plattformen, die eine Telefon- und Online-Beratung durch Hebammen bieten. Diese Beratung ist kostenpflichtig und wird nicht von der gesetzlichen Krankenkasse gezahlt.

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Die Geburtenzahlen in Hamburg 2017

Im Jahr 2017 wurden in Hamburg bei 24.969 Geburten 25.529 Kinder geboren.

Die höchste Zahl der Geburten gab es dabei im Kath. Marienkrankenhaus, dort kamen 3.790 Kinder auf die Welt.

Danach folgen die weiteren Häuser: UKE 3.613, AK Altona 3.171, AK Barmbek 2.998, Albertinen-Krankenhaus 2.936, Krankenhaus Mariahilf 2.118, AK Nord Heidberg 1.782, Agaplesion Diakonieklinikum 1.539, Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus 1.486, AK Wandsbek 1.094, und das Bethesda Krankenhaus Bergedorf 830.

Im Geburtshaus wurden 172 Kinder geboren.

Die höchsten relativen Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr melden das AK Wandsbek, das Krankenhaus Mariahilf und das Bethesda Krankenhaus Bergedorf.

Quelle: Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, 08. Januar 2018
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