Wie hoch ist das Risiko für eine Fehlgeburt?

Das ist eine Frage, die sich vermutlich jede schwangere Frau zu Beginn ihrer Schwangerschaft stellt. Sucht man online nach Daten, so finden sich ganz verschiedene Angaben, zum Teil liest man sogar von Risiken bis zu 70% – eine Zahl, die dann jede Schwangere erst einmal in Schrecken versetzt.

Bei diesen ganzen Angaben muss man zunächst unterscheiden, ob es sich um eine „biochemische Schwangerschaft“ oder um eine „klinische Schwangerschaft“ handelt. Der Begriff „biochemische Schwangerschaft“ meint, dass man im Urin und im Blut der Frau das Schwangerschaftshormon HCG (humanes Choriongonadotropin) nachweisen kann, aber noch kein Darstellung der Schwangerschaft im Ultraschall gelingt. Es handelt sich hier also um die ganz frühe Schwangerschaft, in der die befruchtete Eizelle sich teilt und Zellen sich differenzieren, um dann mit der HCG-Produktion zu beginnen. Die „klinische Schwangerschaft“ ist dementsprechend die weiter fortgeschrittene Schwangerschaft, die man im Ultraschall darstellen kann. Abhängig vom Alter der Schwangerschaft kann man zunächst die Fruchthöhle sehen, dann folgen die ersten embryonalen Strukturen. Ab etwa der 6. Schwangerschaftswoche (SSW), bei Berechnung nach der letzten Regel, ist die Darstellung einer Herzaktion möglich.

In der sehr frühen Schwangerschaft ist die Rate der Fehlgeburten deutlich höher als bei den weiter fortgeschrittenen Schwangerschaften. Für die „biochemischen Schwangerschaften“ finden sich Fehlgeburtsraten von etwa 50 %. Das heißt, die Fehlgeburt findet dann in der 3., 4. oder 5. SSW (Berechnung nach der letzten Regel) statt. In den Zeiten vor der Existenz von Schwangerschaftstesten wußten die betroffenen Frauen also gar nichts von einer Schwangerschaft und haben einfach eine Blutung, die sie für eine Menstruationsblutung gehalten haben, bekommen.

Bei den „klinischen Schwangerschaften“ sind die Fehlgeburts-Raten deutlich geringer. Es gibt in den Studien etwas unterschiedliche Angaben, aber auch hier ist das Schwangerschaftsalter entscheidend für die Häufigkeit einer Fehlgeburt.

Nach einer australischen Studie liegt das Risiko in der 7. SSW bei 9,4 %,
in der 8. SSW bei 4,2 %,
in der 9. SSW 1,5 %
und in der 10. SSW bei 0,5 %
.
(www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1831…)

Es gibt weitere Aspekte, die das Fehlgeburts-Risiko beeinflussen:

  • das mütterliche Alter zum Zeitpunkt der Empfängnis:
  • die Anzahl von vorausgegangenen Fehlgeburten:
    • nach einer Fehlgeburt ist das Risiko 14 – 21 %
    • nach 2 Fehlgeburten 24 – 29 %
    • nach 3 Fehlgeburten 31 – 33 %.
  • Störungen der Blutgerinnung
  • genetische Störungen
  • Fehlbildungen der Gebärmutter
  • Hormonstörungen
  • Störungen des Immunsystems
  • Umweltfaktoren, wie zum Beispiel vaginale Infektionen, Rauchen und die Einnahme bestimmter Medikamente

 

Bildnachweis: © Yvonne Weis – Fotolia.com

Macht die Pille dick?

Vermutlich ist die subjektiv erlebte Gewichtszunahme einer der häufigsten Gründe, warum junge Frauen und Mädchen die Pille absetzen. In jedem Beipackzettel steht es, und jede Frau hat auch mindestens eine Freundin, bei der eine Zunahme des Körpergewichts eingetreten ist.

In 2014 ist eine Cochrane-Analyse (evidenzbasierte Übersichtsarbeit) erschienen, die sich dieses Themas annimmt: www.cochrane.org/CD003987/FERTIL…
In dieser Analyse wurden 49 Studien ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass hormonelle Verhütungsmittel keine oder nur eine ganz geringe Auswirkung auf das Körpergewicht haben.

Viele junge Frauen benötigen erstmals Verhütung zu einer Zeit, in der ihr Körper sich ohnehin in Veränderung befindet. Die Körperform ändert sich und es entwickeln sich die typischen weiblichen Merkmale: Oberschenkel-, Po- und Brustumfang nehmen zu. Es kommt also auch so zu einer Zunahme von Fettgewebe (ca. 1 kg pro Jahr), auch ohne die Einnahme einer hormonellen Verhütung.

Auch wenn die Studienlage keine wesentliche Gewichtszunahme durch die Einnahme der Pille zeigt, so kann dies im Einzelfall sicherlich auftreten. Durch die Hormone kann es zu vermehrten Wassereinlagerungen kommen, ebenso ist eine Steigerung des Appetits möglich. In solchen Fällen sollte im Rahmen einer ärztlichen Beratung eine praktikable Alternative, die eine sichere Verhütung bietet, gesucht werden.

Hier eine Übersicht über die verschiedenen Verhütungsmethoden: Hormonelle und nicht-hormonelle Verhütungsmethoden.

Bildnachweis: © waranyu – Fotolia.com

Gebärmutterhalskrebs und humane Papillomaviren (HPV)

Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV). Bei über 95 % aller Zervixkarzinome können humane Papillomaviren nachgewiesen werden.

Eine Infektion mit HPV ist sehr häufig: In Daten aus den USA findet sich der Nachweis einer jemals stattgefundenen HPV-Infektion bei 75 % Prozent aller erwachsenen Frauen. Eine solche Infektion heilt bei den meisten Menschen nach einigen Monaten aus. In 5-10 % kann es jedoch zu einer dauerhaften Infektion führen – dann ist es möglich, dass sich die infizierten Zellen allmählich verändern und letztlich ein Zervixkarzinom entsteht. Ungefähr 3 % der HPV-infizierten Frauen erkranken schließlich an einem Zervixkarzinom.

Für die Entstehung eines Zervixkarzinoms gibt es noch weitere Risikofaktoren:

  • Rauchen
  • Immunsupression (z.B. Medikamente, HIV)
  • Früher Beginn der sexuellen Aktivität
  • Häufig wechselnde Geschlechtspartner
  • Andere Infektionen der Geschlechtsorgane (z.B. Chlamydien, Herpes genitalis, Gonokokken)
  • Langzeiteinnahme der Pille
  • Schlechte Sexualhygiene

Bei einigen dieser Risikofaktoren, wie zum Beispiel Rauchen und Immunsuppression, wird angenommen, dass das Immunsystem weniger gut in der Lage ist, sich gegen den HP-Virus zu wehren.
Bei der Pille als Risikofaktor wird diskutiert, ob die Hormoneinnahme die lokale Abwehrbereitschaft der Zellen des Gebärmutterhalses reduziert – oder ob eine Frau, die die Pille nimmt, mehr bzw. häufig wechselnde Geschlechtspartner hat.

Zur Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses gibt es im Moment in Deutschland die einmal im Jahr stattfindende Krebsfrüherkennungsuntersuchung.

Es gibt die Impfung gegen humane Papillomaviren („HPV-Impfung“), diese reduziert deutlich das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Die Impfung bietet jedoch keinen 100-prozentigen Schutz, so dass auch geimpfte Frauen regelmäßig eine Krebsfrüherkennungsuntersuchung durchführen lassen sollten. Nach der aktuellen STIKO-Impfempfehlung sollte die Impfung bei Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren durchgeführt werden, bis 18 Jahren ist die Nachholimpfung möglich.

Informationen vom Robert-Koch-Institut (RKI) zur HPV-Impfung finden sich hier:
www.rki.de/DE/Content/Infekt/Imp…

 

Bildnachweis: © Kateryna_Kon – Fotolia.com

Schwangerschaft und Stillzeit: Wie ist es mit dem Haarefärben?

Zum Thema Haarefärben in der Schwangerschaft gibt es nur sehr wenige Daten. Doch es besteht der Verdacht, dass die Benutzung von Haarfärbemitteln während der Schwangerschaft und in der Stillzeit die Gesundheit des Kindes gefährdet.

In der Literatur finden sich nur wenige Hinweise auf Inhaltsstoffe von Haarfärbemitteln in Bezug auf Schwangerschaft oder Erkrankungen von Kindern. Ältere (tierexperimentelle) Untersuchungen zeigten, dass die Inhaltsstoffe meist keine Fehlbildungen beim Embryo hervorrufen. Bei den Nitrosaminen und 4-Amino-2-Nitrophenol besteht der Verdacht, dass sie das Erbgut verändern könnten. Nicht sicher ist die Datenlage bei Triphenylmethan und quartären Ammoniumverbindungen.

Es gibt Fall-Kontroll-Studien:

  • Hirntumore bei Kindern: Mehrere Studien zeigen eine leichte Risikoerhöhung für das Auftreten von Hirntumoren bei Kindern, wenn in der Schwangerschaft bzw. kurz vor Beginn der Schwangerschaft Haarfärbemittel genutzt wurden.
  • Leukämie im Kindesalter: Eine Untersuchung aus Brasilien ergab eine leichte Risikoerhöhung für das Auftreten von Leukämien bei Kleinkindern, wenn im ersten Schwangerschaftsdrittel Haarfärbemittel benutzt wurden. Ebenso gab es eine leichte Risikoerhöhung, wenn die Mutter in der Stillzeit ihre Haare gefärbt hat.

Auch wenn die Datenlage insgesamt sehr dünn ist: Sicher ist, dass während der Benutzung von Haarfärbemitteln immer etwas von den Inhaltsstoffen über die Kopfhaut aufgenommen wird. Diese gelangen dann über den Blutkreislauf zum ungeborenen Kind. Deshalb finden sich meist Warnungen, in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft die Haare nicht zu färben.

Trotz der eher schlechten wissenschaftlichen Basis für diese Empfehlungen rate ich, auf das Haarefärben in der Schwangerschaft und Stillzeit zu verzichten.

 

Bildnachweis: © Ramona Heim – Fotolia.com

Bioidentische Hormone („natürliche Hormontherapie“)

Vor Jahren ist die Hormontherapie in den Wechseljahren in Verruf geraten, da Studien zeigten, dass die Risiken für Brustkrebs und Herzkreislauferkrankungen durch eine solche Therapie zunehmen.

Einige Frauen haben in ihren Wechseljahren starke Beschwerden und suchen zum Teil verzweifelt nach einer Linderung. Die „Bioidentischen Hormone“ bzw. die „natürliche Hormontherapie“ sind dadurch in den letzten Jahren sehr populär geworden.

Das Versprechen dabei lautet, dass diese „natürlichen“ Hormone nicht die gleichen Nebenwirkungen wie die synthetischen Hormone besitzen und damit ohne Risiken dauerhaft eingenommen werden könnten.

Bioidentisch bedeutet, dass die Wirkstoffe mit denen vom Körper produzierten Hormonen strukturell und funktionell identisch sind. Es werden auch die Begriffe „naturidentische Hormone“ oder „bioäquivalente Hormone“ benutzt. Auch gibt es „natürliches Progesteron“ und „bioidentisches Progesteron“. Als Grundstoff wird meist Diosgenin benutzt, das überwiegend aus der Yamswurzel gewonnen wird. Es gibt Zubereitungen als Salbe für die Haut, als Kapseln zum Schlucken und als Vaginalzäpfchen.

Im Mittelpunkt steht dabei das Progesteron (Gelbkörperhormon), also das Hormon der zweiten Zyklushälfte, das bei Frauen vor den Wechseljahren für Wachstum der Gebärmutterschleimhaut sorgt und die Schleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vorbereitet.

Es gibt verschiedene Therapierichtungen, die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte unterschiedliche Konzepte zur „bioidentischen Hormontherapie“ entwickelt haben:

  • Vielen gilt Dr. John R. Lee (www.johnleemd.com) als Begründer der transdermalen Progesterontherapie. Bei der Therapie nach Dr. Lee werden Progesteroncremes auf die Haut aufgetragen, entweder zyklisch über 2 Wochen oder kontinuierlich. Bei abnehmenden Östrogenspiegeln wird ggf. auch Östrogen substituiert.
  • Bei der Therapierichtung nach Dr. Jonathan Wright (www.tahomaclinic.com) und Dr. Lane Lenard spielt das Verhältnis der Östrogene Östriol, Östradiol und Östron eine wesentliche Rolle. Progesteron wird zusätzlich gegeben, ebenso werden ggf. andere Hormone wie DHEA, Testosteron und Thyroxin substituiert.
  • In Deutschland hat Dr. Volker Rimkus (www.dr.rimkus.ike.de) ein eigenes Konzept entwickelt. Hier werden Kapseln mit Progesteron, Östradiol, Vitamin D3, Kupfer- und Zink-Gluconat (in Olivenöl) eingenommen. Vor Therapiebeginn werden die Hormonwerte im Blut untersucht. Dabei gelten spezielle Normwerte, die als Zielwerte für die Hormontherapie verstanden werden. Die Kapseln werden daher individuell dosiert. Unter laufender Therapie werden die Hormonwerte regelmäßig kontrolliert und die Therapie gegebenenfalls angepasst.

Im Detail weisen die Therapien mit „Bioidentischen Hormone“ sehr große Unterschiede auf. Die Theorien, warum jeweils kein Risiko für eine Brustkrebserkrankung unter den Therapien vorliegen soll, sind ebenfalls ganz unterschiedlich.

Alle Therapierichtungen versprechen, dass es keine Risiken gibt. Jedoch gibt es nur wenige bis gar keine wissenschaftlichen Studien zu Risiken und Nebenwirkungen der „Bioidentischen Hormone“.

Es bleiben also ein Versprechen und die Hoffnung der Frauen, dass diese Therapien besser seien als die klassische Hormontherapie. Außerdem werden alle „Bioidentischen Hormone“ als Selbstzahler-Leistung vermarktet und sind zum Teil recht kostenintensiv.

Bildnachweis: © LianeM – Fotolia.com

Kyleena™ – eine neue Hormonspirale

Ab dem 15. Mai 2017 ist eine neue Hormonspirale mit dem Namen Kyleena™ erhältlich. Von dem selben Hersteller gibt es bereits zwei Hormonspiralen: Mirena® (seit 1996) und Jaydess® (seit 2013).

Allen drei Spiralen ist gemeinsam, dass sie aus einem T-förmigen Kunststoffkörper bestehen und das Gestagen Levonorgestrel abgeben. Die Spiralen unterscheiden sich in ihrer Größe und in der Dosis des enthaltenen Hormons.
Die Mirena® und die Kyleena™ haben eine maximale Anwendungsdauer von 5 Jahren, die Jaydess® von 3 Jahren. Die Größe der Kyleena™ und der Jaydess® ist gleich, die Mirena® ist etwas größer.

Wesentliche Unterschiede der drei Spiralen in der Übersicht:

Mirena® Jaydess® Kyleena™
Gesamtgehalt Levonorgestrel in mg 52 13,5 19,5
Max. Anwendungsdauer in Jahren 5 3 5
Größe T-Körper in mm 32 x 32 28 x 30 28 x 30
Durchmesser Insertionsröhrchen in mm 4,40 3,80 3,80
Silberring für leichtere Detektion im Ultraschall nein ja ja
Farbe der Rückholfäden braun braun blau

Quelle: www.bfarm.de/SharedDocs/Download…

Die Vorteile der Kyleena™ im Vergleich zu den anderen Spiralen soll sein, dass hier eine niedrige Hormondosis mit einer relativ kleinen Spirale kombiniert wird. Das Risiko für die Bildung von Eierstockzysten soll im Vergleich zur Mirena® geringer ausfallen. Die Stärke der Regelblutung wird duch die Kyleena™ weniger reduziert als bei der Mirena®, es wird vermutlich seltener unter der Kyleena™ die Regelblutung ganz ausbleiben.

Vor- und Nachteile von Hormonspiralen:

Die Vorteile: Die Hormonspirale bietet eine sehr zuverlässige Verhütung. Die Regelblutung wird schwächer, bei vielen Frauen bleibt die Blutung nach einiger Zeit ganz aus. An eine tägliche Einnahme, wie z.B. bei der Pille, muss nicht gedacht werden. Die Hormonapplikation erfolgt lokal, der weibliche Zyklus wird nicht beeinflusst.

Die Nachteile: Es können Zwischenblutungen auftreten. Außerdem kann eine bestehende Akne verschlimmert werden, selten sind Stimmungsschwankungen, Brustspannungen, Kopfschmerzen und Eierstockzysten. Die Einlage der Spirale kann schmerzhaft sein, und auch zur Entfernung benötigt man einen Arzt. Eine Spirale kann (selten) verrutschen, daher sollte die korrekte Lage der Spirale regelmäßig kontrolliert werden.

Bildnachweis: © lenka – Fotolia.com

Diabetes in der Schwangerschaft

In jeder Schwangerschaft besteht ein Risiko, dass ein Diabetes bzw. eine Glukosetoleranzstörung (Gestationsdiabetes) auftritt. Nach neuen Zahlen sind davon 13,2 % aller Schwangeren, bei denen eine Untersuchung auf Gestationsdiabetes durchgeführt wurde, betroffen. Dabei ist die Häufigkeit des Gestationsdiabetes deutlich vom Alter abhängig: bei sehr jungen Schwangeren (unter 20 Jahren) liegt die Häufigkeit bei knapp 8 %, bei Frauen über 45 Jahren bei gut 26 %.

Seit 2012 gibt es ein Screening auf Schwangerschafts-Diabetes. Die Mutterschaftsrichtlinien empfehlen, das Screening bei jeder Schwangeren durchzuführen.
Das Screening wird zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Die Schwangere trinkt 200 Milliliter Wasser mit 50 Gramm wasserfreier Glukose. Das kann zu jeder Tageszeit erfolgen, und die Schwangere darf vorher etwas gegessen haben. Nach einer Stunde wird der Blutglukosewert bestimmt. Wird ein Wert von 135 mg/dL erreicht oder überschritten, wird danach ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75 g Glukose durchgeführt. Dieser Test hat die folgenden Grenzwerte: nüchtern 92 mg/dL, nach einer Stunde 180 mg/dL, nach zwei Stunden 153 mg/dL. Wird auch nur einer dieser Grenzwerte überschritten, dann liegt ein Gestationsdiabetes vor.

Wurde die Diagnose eines Gestationsdiabetes gestellt, so wird die Schwangere in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis hinsichtlich ihres Schwangerschaftsdiabetes betreut. Dort erfolgt die Einweisung in die Selbstmessung des Blutzuckers sowie eine Ernährungsberatung und Patientenschulung. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, unter die festgelegten Grenzwerte zu kommen, wird mit einer Insulintherapie begonnen.

Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft wird die Größe des Kindes im Ultraschall regelmäßig kontrolliert, da ein Gestationsdiabetes sowohl ein übermäßiges Wachstum des Kindes als auch eine Wachstumsretardierung verursachen kann.

Bleibt ein Gestationsdiabetes unentdeckt und wird nicht behandelt bzw. erfolgt die Einstellung der Blutzuckerwerte nicht ausreichend gut, gibt es ein erhöhtes Risiko für verschiedene Komplikationen bei der Frau während der Schwangerschaft und unter der Geburt:

  • Harnwegs- und Pilzinfektionen
  • schwangerschaftsbedingter zu hoher Blutdruck, bzw. Präeklampsie/Eklampsie
  • Entbindung per Kaiserschnitt und vaginal-operative Entbindung (z.B. mit Saugglocke)
  • Dammriss Grad 3 und 4
  • Frühgeburtlichkeit
  • schwere Blutung nach/während der Geburt

Längerfristig haben Frauen nach einem Gestationsdiabetes ein deutlich erhöhtes Risiko, später im Leben einen Diabetes zu entwickeln. Außerdem besteht in nachfolgenden Schwangerschaften ein Wiederholungsrisiko für einen Gestationsdiabetes von 20 – 50 %.

Die Kinder sollten nach der Geburt für vier bis sechs Monate voll gestillt werden. In der Schwangerschaft und nach der Geburt bestehen die folgenden Risiken für die Kinder:

  • zu starkes Wachstum des Kindes (Makrosomie) mit Gefahr der Schulterdystokie (nach der Geburt des Kopfes bleiben die Schultern stecken)
  • Unterzuckerung nach der Geburt, sowie Hypokalzämie (niedriger Calciumspiegel im Blut), Polyglobulie (Zunahme der roten Blutkörperchen mit höherer Blutviskosität = Bluteindickung) und Hyperbilirubinämie (Neugeborenen-Gelbsucht)
  • Atemnotsyndrom (Funktionsstörung der Lunge)
  • erhöhtes Langzeitrisiko für Übergewicht und Glukosestoffwechselstörungen

Wird der Gestationsdiabetes behandelt und eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte erreicht, können die kindlichen und mütterlichen Risiken deutlich reduziert werden.

Die Mutterschaftsrichtlinien – Test auf Schwangerschaftsdiabetes: www.g-ba.de/informationen/richtl…

Bildnachweis: © VRD – Fotolia.com

Wearables zur Zykluskontrolle (und vielleicht auch zur Verhütung?)

Das Thema hormonfreie Verhütung ist im Moment sehr populär. Viele Frauen würden gerne auf Hormone, wie z.B. in der Pille, verzichten. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Apps und Verhütungscomputer, die damit beworben werden, hormonfrei, „natürlich“ und überhaupt modern und zukunftsweisend zu sein. Schaut man auf die Details, so sind diese Anwendungen gar nicht für die Verhütung gedacht, sondern für das sogenannte Zyklusmonitoring (also für die Überwachung und Analyse des weiblichen Zyklus) und sollen für die Erfüllung eines Kinderwunsches genutzt werden. Explizit zur Verhütung sind nur wenige Tools gedacht und kaum eines ist auch tatsächlich dafür zertifiziert*.

Beschäftigt man sich damit, auf welche Art am zuverlässigsten ein solches Zyklusmonitoring geschieht, so sind es vor allem die Systeme, die auf der symptothermalen Methode basieren. In der symptothermalen Methode wird die am Morgen gemessene Körpertemperatur und der Zervixschleim (Zervix = Gebärmutterhals) beobachtet. Diese „altmodische“ Methode erscheint vielen Frauen kompliziert und fehleranfällig, so dass es inzwischen einige Firmen gibt, die eine Vereinfachung dieses Vorgangs versprechen, indem sie die Messung der Temperatur übernehmen.

Diese technische Hilfsmittel werden als Optimierungstools zur Verwirklichung eines Kinderwunsches dargestellt. Hier eine Übersicht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

OvulaRing (www.ovularing.com): Ein Sensor aus Kunststoff wird permanent in der Scheide getragen (außer während der Menstruation) und misst die Körpertemperatur. Mit Hilfe eines Lesegerätes werden die Temperaturdaten ausgewertet und auf eine webbasierte Auswertungssoftware übertragen. Damit wird ein Zyklusdiagramm mit Darstellung der fruchtbaren Tage erstellt. Auf der Homepage wirbt die Firma: „Einfach zur natürlichen Schwangerschaft“. Die Kosten variieren je nach Laufzeit bei einer Erstbestellung von 84,90 € bis 39,90  € pro Monat.

trackle (www.trackle.de): Ist ein Temperatursensor, der nur nachts in der Scheide getragen wird und die Körpertemperatur misst. Die Werte werden an trackle übermittelt, es findet dort eine Datenauswertung statt. Die Ergebnisse werden auf dem Handy dargestellt, weitere Selbstbeobachtungen können in das System eingepflegt werden. Zur Zeit läuft ein Crowdfunding, um das Projekt umzusetzen.

iButton (www.4freeway.com): Dies ist ebenfalls ein Temperatursensor, der nachts in der Scheide getragen wird. Die Auswertung der Daten geschieht lokal mit dem eigenen Smartphone bzw. PC. Die Kosten liegen zwischen 95 bis 235 €.

OvuSense (www.ovusense.com/eu) ist eine App und ebenfalls ein Temperatursensor (ähnlich einem Tampon), der nachts in der Scheide die Körpertemperatur misst. Der Preis liegt zwischen 125 und 249 €, je nach Laufzeit bzw. Nutzungsdauer.

Ava (www.avawomen.com): Ist ein Armband, das nachts am Handgelenk getragen wird. Am Morgen werden die Messdaten mit Hilfe einer App ausgewertet. Es werden verschiedene Parameter, wie zum Beispiel Pulsfrequenz, Atemfrequenz, Schlafdauer und Durchblutung erfasst. Das Armband kostet 249 €.

Yono (www.yonolabs.com): Ein Ohrstöpsel, der ebenfalls in der Nacht getragen wird. Auch hier wird die Temperatur ermittelt, am Morgen wird der Ohrstöpsel in eine Basisstation gelegt, und die Daten werden ausgelesen. Eine App zeigt dann eine Auswertung mit Anzeige der fruchtbaren Tage. Yono kostet 130 $.

Tempdrop (www.tempdrop.xyz): Ist ein Sensor, der am Oberarm in der Nacht getragen wird. Es wird die Temperatur gemessen, außerdem wird die Bewegung in der Nacht erfasst, damit soll die Schlafqualität dargestellt werden. Die Daten werden aufs Smartphone übertragen, Tempdrop kann mit verschiedenen Apps zusammenarbeiten. Tempdrop kostet 120 $.

DuoFertility (www.duofertility.com): Ein Sensor, der mit einem Klebe-Pad an der Haut haftet und die Temperatur und die Bewegung erfasst. Die Daten werden von einer App ausgewertet, außerdem gibt es einen Beratungsservice (in Großbritannien). DuoFertility kostet je nach Laufzeit 85,99 £ bis 119,99 £ als Paketpreis mit Beratung und Zusatztools. Außerdem werden noch verschiedene Test-Kits für Zuhause vertrieben.

Außerdem gibt es noch Raiing (www.raiing.com), ein chinesisches Produkt zur Temperaturerfassung und Analyse des Zyklus.

_____

* Ergänzung: Vor einigen Wochen ist die App „Natural Cycles“ (www.naturalcycles.com/de) vom TÜV Süd als Verhütungsmittel zertifiziert worden. Diese Zertifizierung bezieht sich darauf, dass die App die Anforderungen der europäischen Medizinprodukterichtlinie erfüllt, eine Aussage über die Verhütungssicherheit gibt das Zertifikat nicht.
Hier ein Auszug aus der Gebrauchsanweisung: „Wie bei jedem Verhütungsmittel gibt es bei der Verwendung der App ein paar Dinge zu beachten. Sorge für korrekte Messungen, indem du gleich nach dem Aufwachen und noch vor dem Aufstehen mit einem zertifizierten Basalthermometer mit zwei Dezimalstellen deine Temperatur misst. Setze das Thermometer hierzu unter der Zunge an. Verzichte auf Messungen oder setze sie aus, wenn du dich krank fühlst, verkatert bist oder 2 Stunden länger oder kürzer als üblich geschlafen hast. Schütze dich an roten Tagen, um eine Schwangerschaft wirksam zu verhindern. Das Risiko einer Schwangerschaft ist an diesen Tagen wesentlich höher, da du mit großer Wahrscheinlichkeit fruchtbar bist. Du entscheidest natürlich selbst, wie du dich an roten Tagen schützt. Die relative Wirksamkeit hängt jedoch vom Pearl-Index der gewählten Methode ab. Hormonelle Verhütungsmittel wirken sich auf deine Körpertemperatur aus, dazu gehört auch die Pille danach. Falls du diese einmal einnimmst, verzichte unbedingt auf weitere Messungen, bis du in einem neuen Zyklus bist.“ Quelle: www.naturalcycles.com/de/science

Wie es sich hier mit der Usability verhält, muss Frau selbst entscheiden.

Bildnachweis: © VRD – Fotolia.com

Zytomegalie in der Schwangerschaft

Zytomegalie ist eine Viruserkrankung, die durch das humane Zytomegalie-Virus (CMV) verursacht wird. Tritt eine solche Infektion im Laufe einer Schwangerschaft auf, so kann es dadurch zur Schädigung des Kindes kommen, insbesondere im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel können bedeutende Beeinträchtigungen verursacht werden.

Das Virus wird durch Schmierinfektion weitergegeben. Infektiös sind zum Beispiel Urin, Speichel, Nasensekret, Tränenflüssigkeit und Muttermilch. Nach der Infektion zeigen sich eher selten Krankheitszeichen (ähnlich einem grippalen Infekt). Bei den meisten Menschen treten keine Symptome einer Erkrankung auf. Infiziert sich eine Frau kurz vor oder während einer Schwangerschaft, so kann das Virus über den Mutterkuchen zum Kind gelangen.

Nach aktuellen Daten sind in den Industrieländern circa 0,4 bis 1,2 % der (lebend) geborenen Kinder von einer solchen Infektion betroffen. Als Folge der Infektion zeigen sich bei den Kindern verschiedene Gesundheitsstörungen. Je früher die Infektion im Rahmen der Schwangerschaft auftritt, desto schwerwiegender ist das Krankheitsbild bei den Kindern. Im schlimmsten Falle tritt eine Fehl- oder Totgeburt auf. Bei den lebendgeborenen Kindern können beispielsweise Hirnfehlbildungen, Wachstumsstörungen und Hördefizite, wie z.B. eine Innenohrschwerhörigkeit, auftreten.

In Leitlinien wird empfohlenen, dass Frauen möglichst vor Schwangerschaftsbeginn bzw. zu Beginn einer Schwangerschaft ihren CMV-Antikörperstatus bestimmen lassen sollten. Die Mutterschaftsrichtlinien sehen jedoch keine derartige Untersuchung vor, so dass diese Untersuchung nicht von den Krankenkassen gezahlt wird und nur als Selbstzahlerleistung möglich ist.

Zum Schutz vor einer Zytomegalie-Infektion ist eine gute persönliche Hygiene der Schwangeren notwendig, denn eine Impfung gegen CMV gibt es nicht. Studien zeigen, dass durch eine Hygieneberatung von Schwangeren die Infektionsraten deutlich gesenkt wurden.

Folgende Hygieneratschläge sollten daher Schwangere ohne CMV-Immunität beachten:

  • Im Umgang mit (Klein-)Kindern: Nach Windelwechsel, Waschen, Füttern, Tränen abwischen, Nase putzen und Kontakt mit Spielzeug, das in den Mund genommen wurde, sollte eine gründliche Händehygiene durchgeführt werden. Im privaten Umfeld ist Händewaschen mit Wasser und Seife ausreichend. Küssen auf den Mund sollte unterbleiben, da auch hierdurch das Virus übertragen werden kann.
  • Geschirr, Besteck wie auch Zahnbürsten, Handtücher und Waschlappen sollten nicht gemeinsam benutzt werden.
  • Bei CMV-positivem Partner sollte ein Kondom beim Geschlechtsverkehr benutzt werden.

Besteht der Verdacht, dass im Laufe einer Schwangerschaft eine CMV-Infektion aufgetreten ist, kann der Versuch einer passiven Immunisierung mit CMV-Hyperimmunglobulin unternommen werden. Für diese Therapie liegt allerdings aktuell keine ausreichende Evidenz vor.

Wenn in der Schwangerschaft das Kind nachgewiesen mit CMV infiziert ist, kann die Schwangere mit einer antiviralen Therapie behandelt werden (im off-label use*). Für infizierte, erkrankte Neugeborene gibt es eine ebenfalls antivirale Therapie (auch im off-label use*).

*off-label use: Gebrauch eines Medikamentes außerhalb der zugelassenen Anwendungsbereiche

Bildnachweis: © jarun011 – Fotolia.com

Die Geburtenzahlen in Hamburg 2016

2016 wurden in Hamburg bei 25.063 Geburten 25.602 Kinder geboren. Damit wurden im Vergleich zu 2015 fast sechs Prozent mehr Kinder geboren.
Die höchste Zahl gab es im Katholischen Marienkrankenhaus mit 3.961 Kindern.

Danach folgen die weiteren Krankenhäuser: UKE 3.463, AK Altona 3.238, AK Barmbek 3.140, Albertinen-Krankenhaus 2.804, AK Nord 1.843, Krankenhaus Mariahilf 1.800, Agaplesion Diakonieklinikum 1.514, Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus 1.375, AK Wandsbek 883, Bethesda Krankenhaus Bergedorf 741 und das AK Harburg 687. Die Geburtshilfe im AK Harburg wurde zum Jahresende 2016 geschlossen.

Im Geburtshaus wurden 153 Kinder geboren.

Quelle: Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, 11. Januar 2017
Bildnachweis: © Kati Molin – Fotolia.com