Zytomegalie in der Schwangerschaft

Zytomegalie ist eine Viruserkrankung, die durch das humane Zytomegalie-Virus (CMV) verursacht wird. Tritt eine solche Infektion im Laufe einer Schwangerschaft auf, so kann es dadurch zur Schädigung des Kindes kommen, insbesondere im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel können bedeutende Beeinträchtigungen verursacht werden.

Das Virus wird durch Schmierinfektion weitergegeben. Infektiös sind zum Beispiel Urin, Speichel, Nasensekret, Tränenflüssigkeit und Muttermilch. Nach der Infektion zeigen sich eher selten Krankheitszeichen (ähnlich einem grippalen Infekt). Bei den meisten Menschen treten keine Symptome einer Erkrankung auf. Infiziert sich eine Frau kurz vor oder während einer Schwangerschaft, so kann das Virus über den Mutterkuchen zum Kind gelangen.

Nach aktuellen Daten sind in den Industrieländern circa 0,4 bis 1,2 % der (lebend) geborenen Kinder von einer solchen Infektion betroffen. Als Folge der Infektion zeigen sich bei den Kindern verschiedene Gesundheitsstörungen. Je früher die Infektion im Rahmen der Schwangerschaft auftritt, desto schwerwiegender ist das Krankheitsbild bei den Kindern. Im schlimmsten Falle tritt eine Fehl- oder Totgeburt auf. Bei den lebendgeborenen Kindern können beispielsweise Hirnfehlbildungen, Wachstumsstörungen und Hördefizite, wie z.B. eine Innenohrschwerhörigkeit, auftreten.

In Leitlinien wird empfohlenen, dass Frauen möglichst vor Schwangerschaftsbeginn bzw. zu Beginn einer Schwangerschaft ihren CMV-Antikörperstatus bestimmen lassen sollten. Die Mutterschaftsrichtlinien sehen jedoch keine derartige Untersuchung vor, so dass diese Untersuchung nicht von den Krankenkassen gezahlt wird und nur als Selbstzahlerleistung möglich ist.

Zum Schutz vor einer Zytomegalie-Infektion ist eine gute persönliche Hygiene der Schwangeren notwendig, denn eine Impfung gegen CMV gibt es nicht. Studien zeigen, dass durch eine Hygieneberatung von Schwangeren die Infektionsraten deutlich gesenkt wurden.

Folgende Hygieneratschläge sollten daher Schwangere ohne CMV-Immunität beachten:

  • Im Umgang mit (Klein-)Kindern: Nach Windelwechsel, Waschen, Füttern, Tränen abwischen, Nase putzen und Kontakt mit Spielzeug, das in den Mund genommen wurde, sollte eine gründliche Händehygiene durchgeführt werden. Im privaten Umfeld ist Händewaschen mit Wasser und Seife ausreichend. Küssen auf den Mund sollte unterbleiben, da auch hierdurch das Virus übertragen werden kann.
  • Geschirr, Besteck wie auch Zahnbürsten, Handtücher und Waschlappen sollten nicht gemeinsam benutzt werden.
  • Bei CMV-positivem Partner sollte ein Kondom beim Geschlechtsverkehr benutzt werden.

Besteht der Verdacht, dass im Laufe einer Schwangerschaft eine CMV-Infektion aufgetreten ist, kann der Versuch einer passiven Immunisierung mit CMV-Hyperimmunglobulin unternommen werden. Für diese Therapie liegt allerdings aktuell keine ausreichende Evidenz vor.

Wenn in der Schwangerschaft das Kind nachgewiesen mit CMV infiziert ist, kann die Schwangere mit einer antiviralen Therapie behandelt werden (im off-label use*). Für infizierte, erkrankte Neugeborene gibt es eine ebenfalls antivirale Therapie (auch im off-label use*).

*off-label use: Gebrauch eines Medikamentes außerhalb der zugelassenen Anwendungsbereiche

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