Schwangerschaft: Terminüberschreitung und Übertragung – wann sollte eine Einleitung gemacht werden?

Im Durchschnitt dauert eine Schwangerschaft 280 Tage bzw. 40+0 Schwangerschaftswochen (SSW). Zwischen 40+1 und 41+6 SSW spricht man von einer Terminüberschreitung, ab 42+0 SSW von einer Übertragung.

Liegt eine Überschreitung des berechneten Entbindungstermins vor, so muss man beurteilen, wie gut die Funktion des Mutterkuchens (Plazenta) ist. Bei guter Funktion der Plazenta entstehen Risiken hauptsächlich durch das weitere Wachstum des Kindes: denn aufgrund der Größe des Kindes bei der Geburt (Geburtsgewicht dann häufig über 4.000 g) können sich der Geburtsverlauf verlängern (protrahierte Geburt), vaginal-operative Entbindungen häufiger sein und mehr Geburtsverletzungen auftreten.
Bei einer eingeschränkten Funktion des Mutterkuchens („Plazentaninsuffizienz“) bestehen bei einer Überschreitung zum Beispiel diese Risiken: intrauteriner Fruchttod (IUFT), Asphyxie (Sauerstoffmangel) und erhöhte perinatale Morbidität (kindliche Krankheitshäufigkeit).

Die DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) hat Empfehlungen für das Vorgehen bei Terminüberschreitung und Übertragung bei risikoarmen Einlingsschwangerschaften ohne spezifische Risiken formuliert, wobei diese Leitlinie zur Zeit überarbeitet wird. (siehe auch: 015-065l_S1_Terminüberschreitung_Übertragung_02-2014-verlaengert_01.pdf )

  • 37+0 bis 39+6 SSW: kein Einleitungsbedarf, Ausnahme: Schwangeren über 40 Jahren kann ab 39+0 SSW eine Einleitung angeboten werden
  • 40+0 bis 40+6 SSW: Kontrolle alle 2-3 Tage mit Kardiotokografie und Ultraschall-Kontrolle der Fruchtwasser-Menge
  • 41+0 bis 41+6 SSW: eine Einleitung sollte diskutiert bzw. angeboten werden, ab 41+3 SSW sollte sie empfohlen werden, erst ab 42+0 SSW besteht eine zwingende Indikation zur Einleitung bzw. zum Kaiserschnitt

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes=GDM) gibt es nach der aktuellen S3-Leitlilinie andere Empfehlungen. Hier wird danach unterschieden, ob es sich um einen diätisch eingestellten GDM oder einen insulinpflichtigen GDM handelt. (siehe auch: 057-008l_S3_Gestationsdiabetes-mellitus-GDM-Diagnostik-Therapie-Nachsorge_2019-03.pdf )

  • diätetisch gut eingestellter GDM ohne zusätzliche Risiken: Einleitung ab 41+0 SSW
  • insulinpflichtiger, gut eingestellter GDM: Einleitung ab 40+0 SSW
  • schlecht eingestellter GDM: individuelle Entscheidung

Grundsätzlich ist die Diskussion, ob und wann eine Einleitung gemacht wird, oft sehr emotional. Auf der einen Seite steht der Wunsch, dass möglichst wenig eingegriffen und der „Natur ihr Lauf“ gelassen wird, auf der anderen Seite bestehen aber auch Sorgen aufgrund der Risiken. Wichtig ist eine gute und individuelle Beratung!

 

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