Bioidentische Hormone („natürliche Hormontherapie“)

Vor Jahren ist die Hormontherapie in den Wechseljahren in Verruf geraten, da Studien zeigten, dass die Risiken für Brustkrebs und Herzkreislauferkrankungen durch eine solche Therapie zunehmen.

Einige Frauen haben in ihren Wechseljahren starke Beschwerden und suchen zum Teil verzweifelt nach einer Linderung. Die „Bioidentischen Hormone“ bzw. die „natürliche Hormontherapie“ sind dadurch in den letzten Jahren sehr populär geworden.

Das Versprechen dabei lautet, dass diese „natürlichen“ Hormone nicht die gleichen Nebenwirkungen wie die synthetischen Hormone besitzen und damit ohne Risiken dauerhaft eingenommen werden könnten.

Bioidentisch bedeutet, dass die Wirkstoffe mit denen vom Körper produzierten Hormonen strukturell und funktionell identisch sind. Es werden auch die Begriffe „naturidentische Hormone“ oder „bioäquivalente Hormone“ benutzt. Auch gibt es „natürliches Progesteron“ und „bioidentisches Progesteron“. Als Grundstoff wird meist Diosgenin benutzt, das überwiegend aus der Yamswurzel gewonnen wird. Es gibt Zubereitungen als Salbe für die Haut, als Kapseln zum Schlucken und als Vaginalzäpfchen.

Im Mittelpunkt steht dabei das Progesteron (Gelbkörperhormon), also das Hormon der zweiten Zyklushälfte, das bei Frauen vor den Wechseljahren für Wachstum der Gebärmutterschleimhaut sorgt und die Schleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vorbereitet.

Es gibt verschiedene Therapierichtungen, die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte unterschiedliche Konzepte zur „bioidentischen Hormontherapie“ entwickelt haben:

  • Vielen gilt Dr. John R. Lee (www.johnleemd.com) als Begründer der transdermalen Progesterontherapie. Bei der Therapie nach Dr. Lee werden Progesteroncremes auf die Haut aufgetragen, entweder zyklisch über 2 Wochen oder kontinuierlich. Bei abnehmenden Östrogenspiegeln wird ggf. auch Östrogen substituiert.
  • Bei der Therapierichtung nach Dr. Jonathan Wright (www.tahomaclinic.com) und Dr. Lane Lenard spielt das Verhältnis der Östrogene Östriol, Östradiol und Östron eine wesentliche Rolle. Progesteron wird zusätzlich gegeben, ebenso werden ggf. andere Hormone wie DHEA, Testosteron und Thyroxin substituiert.
  • In Deutschland hat Dr. Volker Rimkus (www.dr.rimkus.ike.de) ein eigenes Konzept entwickelt. Hier werden Kapseln mit Progesteron, Östradiol, Vitamin D3, Kupfer- und Zink-Gluconat (in Olivenöl) eingenommen. Vor Therapiebeginn werden die Hormonwerte im Blut untersucht. Dabei gelten spezielle Normwerte, die als Zielwerte für die Hormontherapie verstanden werden. Die Kapseln werden daher individuell dosiert. Unter laufender Therapie werden die Hormonwerte regelmäßig kontrolliert und die Therapie gegebenenfalls angepasst.

Im Detail weisen die Therapien mit „Bioidentischen Hormone“ sehr große Unterschiede auf. Die Theorien, warum jeweils kein Risiko für eine Brustkrebserkrankung unter den Therapien vorliegen soll, sind ebenfalls ganz unterschiedlich.

Alle Therapierichtungen versprechen, dass es keine Risiken gibt. Jedoch gibt es nur wenige bis gar keine wissenschaftlichen Studien zu Risiken und Nebenwirkungen der „Bioidentischen Hormone“.

Es bleiben also ein Versprechen und die Hoffnung der Frauen, dass diese Therapien besser seien als die klassische Hormontherapie. Außerdem werden alle „Bioidentischen Hormone“ als Selbstzahler-Leistung vermarktet und sind zum Teil recht kostenintensiv.

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